Gruppendruck bei Kindern
Wie du dein Kind stärken kannst
Kinder möchten dazugehören. Ganz besonders im Alter von 6 bis 12 Jahren. Sie beobachten genau, was die anderen tun, tragen, mögen und denken. Sie möchten den gleichen Schulranzen, das gleiche Shirt und am liebsten auch einen Namen der nicht ungewöhnlich ist. Gruppendruck bei Kindern ist nicht selten sondern normal.
Dennoch sollten wir unsere Kinder darin bestärken dem Gruppendruck auch zu widerstehen und mutig Dinge anders zu machen.
Hier ein Beispiel: Meine Enkelin ging eines Tages mit einer Tasche statt mit einem Schulranzen in die Schule. Am ersten Tag interessiert das noch niemanden. Aber bereits am nächsten Tage wurde darüber gelacht. „Haha eine Tasche. Hast du keinen richtigen Schulranzen?“ . Es ging weiter mit kritische Bemerkungen. „So etwas trägt man doch nicht in die Schule.“ „Das sieht komisch aus.“ Einige Wochen später trugen plötzlich mehrere Mädchen die gleiche Tasche. Mittlerweile tragen kaum noch Mädchen Schulranzen.
Dieses Muster begegnet uns überall. Auf dem Schulhof. Im Berufsleben. In der Politik. Bei technischen Entwicklungen. Immer dann, wenn jemand etwas anders macht als die Mehrheit. Mahatma Gandhi wird der Satz zugeschrieben: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Auch der Philosoph Arthur Schopenhauer beschrieb dieses Phänomen: „Ein jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.“ Beide beschreiben einen Prozess, den wir täglich beobachten können. Neue Ideen werden selten sofort begeistert aufgenommen. Sie durchlaufen häufig vier Stufen:
1. Ignorieren – „Davon will ich nichts wissen.“
2. Belächeln – „Das ist doch Quatsch.“
3. Ablehnen – „Das ist falsch.“
4. Übernehmen – „Ich mach das jetzt auch.“
Vom Gruppendruck zum Mut einzigartig zu sein
Wir können Kindern diese vier Stufen erklären. Denn sie helfen dabei, Reaktionen anderer Kinder besser einzuordnen und dem Gruppendruck zu widerstehen.
Die Kinder gewinnen so eine neue Perspektive. Sie lernen: Nicht jede Kritik bedeutet, dass ich etwas falsch mache. Nicht jedes Ausgelachtwerden bedeutet, dass mit mir etwas nicht stimmt. Wenn ich etwas anders machen, etwas neues wage, muss ich mit Widerstand rechnen aber das hält mich nicht davon ab, denn nur so entsteht etwas Neus und das kann wundervoll werden. Ich bin ich. Einzigartig. Wundervoll.
Unsere Aufgabe als Eltern und Pädagoginnen ist es nicht, Kinder zu perfekten Anpassungskünstlern zu machen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen Wurzeln und Flügel zu schenken. Wurzeln, damit sie wissen, wer sie sind. Und Flügel, damit sie den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen.
Anderssein ist wertvoll. Jeder Mensch bringt etwas in die Welt, das kein anderer mitbringt. Neue Ideen entstehen nicht dort, wo alle dasselbe denken. Fortschritt entsteht nicht dort, wo alle denselben Weg gehen. Kinder brauchen deshalb nicht nur Schutz und Geborgenheit. Sie brauchen auch die Erlaubnis, sie selbst zu sein.
Denn es sind die Kinder die heute anders sind, die morgen die Welt verändern


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